Viertes Kapitel - Halloween
Halloween





Kay rieb sich die Augen. „Gott sei Dank! Ich dachte schon ich müsste da unten ersticken. Wie hält es Herr Kuhn nur in dieser „Halb-Gruft“ aus!“

Tim stöhnte und räusperte sich. „Ich hab mehr Staub als Luft eingeatmet!“

Die fünf standen erst einmal vor der Tür und genossen die frische Luft.

Dann überlegten sie was ihr nächster Schritt sein sollte. „Wir müssen uns noch mehr Informationen holen!“

„Aber wo? Außerdem wird die Zeit langsam knapp. Es ist schon kurz vor sechs und um halb acht müssen wir in der Schule sein!“, entgegnete Gini.

Stimmt, das hatten sie fast vergessen. Heute war ja diese Halloweenaufführung.

Irgendwie seltsam, da zerbrachen sie sich die ganze Zeit den Kopf darüber und vergaßen, dass es heute Abend stattfinden soll.

„Dann lasst uns alle nach Hause gehen und uns auf den Abend vorbereiten. Wir können ja eh nicht mehr viel machen.“

Die Geschwister und Dee nickten zustimmend. Sie machten sich auf den Weg. Zurück durch die Marktstraße, geradewegs auf die Hauptstraße zu.

Die Leute, die vorbeiliefen, die Schaufenster betrachteten oder miteinander sprachen beachteten sie gar nicht. Jeder war in seine eigenen Gedanken vertieft.

Tim machte sich Sorgen darüber ob es heute Abend etwas Gutes zu Essen gab. Er nahm dies alles noch als Scherz, aber das würde sich noch ändern.

Dee zweifelte daran, dass er wirklich wach war und fragte sich ob es seinen Ruf ruinieren würde wenn er mit den Dreien enge Freundschaft schloss.

Gini grübelte über das Rätsel nach. Sie war erpicht auf solche Dinge, Dinge bei denen man die Lösung erst noch finden muss.

Kay schmiedete insgeheim einen Plan. Sie kamen auf die Hauptstraße und trennten sich.

Kays Gefährten, außer natürlich Mikaasch, machten sich auf Richtung Villenviertel.

Kay und der Kater warteten noch kurz, dann rannten sie zum Archiv zurück.

Die Tür in den Keller war noch nicht abgeschlossen. Sie gingen einfach hinunter, ohne sich vorher anzumelden.

„Herr Kuhn, Herr Kuhn! Ich bin’s noch mal! Ich brauche ihre Hilfe.“

Ihre Stimme wurde von der staubigen und trockenen Luft erstickt. Eine Weile tat sich nichts, dann trat der alte Mann, genauso leise und plötzlich wie beim ersten Besuch, hinter einem der Regle vor. „Das war mir klar. Du bist wie deine Mutter.“

Kay hatte keine Zeit sich darüber den Kopf zu zerbrechen warum er ihre Mutter so gut kannte.

„Was hat es mit diesem Dreieck auf sich?“

„Das Dreieck... ja, dies ist eine lange Geschichte. Es gab da Mal einen Zusammenschluss von mächtigen weißen Magiern...



Die fünf standen in ihren weißen Kutten um das Feuer.

Sie gossen ganz langsam flüssiges Eisen in die Flammen. Es schien aus ihren Fingern zu kommen.

Einer von ihnen, der mächtigste und weiseste von allen, trat vor und sprach unverständliche Worte, dann sagte er: „Die Kraft aller Menschen soll hier hinein fließen. Dies soll die ultimative Waffe, sowie der ultimative Schutz gegen alles Böse sein. Nur von einem Menschen mit einem vollkommen reinem Herzen soll sie geführt werden können.“

Das Feuer nahm plötzlich Gestalt an. Es formte sich zu einem Dreieck. Ein leises Brausen hob an.

Doch es war nicht der Wind der da flüsterte, es waren abertausende von Stimmen die einen Singsang von Worten murmelten, bis das Dreieck vollkommen aufhörte sich zu drehen und in der Luft stehen blieb.

Der Magier hob die Hände und ritze mit der Fingerspitze ein Pentagramm in das heiße Eisen. In die Mitte setzte er einen geschwungenen Schriftzug...



... hiermit war die Erschaffung des Dreiecks vollendet“, Herr Kuhn endete auch mit seiner Erzählung und die drei fielen in tiefes Schweigen.

Kay hatte es vor sich gesehen. Während der Mann es erzählte hatte sie sich genau vorstellen können wie es damals vor sich gegangen war.

„Ja, und dann wurde es Generation für Generation weitergereicht. Gebraucht wurde es aber erst beim großen Kampf. Das Auge gegen den Kleriker. „Das Auge“ war seit jeher hinter dem Dreieck her gewesen, da es die Unsterblichkeit verleihen konnte. Doch der Kleriker zerstörte es lieber als das er es, „Dem Auge“ überließ“, Mikaasch, der seit langem das Erste gesprochen hatte, wusste anscheinend viel über den großen Kampf.

„Mikaasch hat Recht. Doch wurde das Dreieck nicht ganz zerstört. Da der schwarze Magier einen Gegenzauber wirkte blieb es erhalten. Es versteckte sich im erstbesten Wesen das zu finden war. Und dies, steht es zumindest niedergeschrieben, war ein Katzenjunges.“

Herr Kuhn wusste auch nicht mehr zu sagen.

„Aber wie soll ich nun das Dreieck finden? Wenn es doch nicht mehr existiert?“

Herr Kuhn sah Kay aus tiefen Augen an. „Eine Nachbildung steht im Kloster. Vielleicht hilft dir dies weiter?“

Er lächelte und wandte sich um. Nur wenig später war er wieder hinter einem der Regale verschwunden.

Kay war klar, dass er nicht mehr sagen würde und auch nicht verschwunden war um ein Buch zu holen.

Also verließ sie das Archiv. Sie und Mikaasch trotteten die Straße entlang.

„Wo ist der schnellste Weg zum Kloster?“

Mikaasch blickte zu seinem Frauchen auf. „Du willst doch nicht wirklich da hoch um nach der Nachbildung zu suchen, oder?“

Auf die Antwort brauchte er gar nicht erst zu warten.

Sie liefen wieder zur Hauptstraße, folgten ihr eine Weile und bogen in den Klosterweg ein. Der führte direkt zu St. Weinhell.

Am Ende stieg er ein wenig bergauf, doch sie erreichten schnell das Kloster.

Ein fetter Mönch kam ihnen entgegen: „Oh, was kann ich tun für die Herrschaften? Einen Rundgang? Oder eher eine Gebetsstunde? Was immer ihr wollt.“

Kay zweifelte: „Warum Herrschaften?“

„Nun ja, mir wird es wohl noch erlaubt sein, deine Katze mit ein zu beziehen. Du wunderst dich vielleicht, aber wenn eine Katze so brav nebenher schleicht, muss man sie auch beachten.“ Er lachte.

Kay versuchte ihre Zweifel runter zu schlucken und fragte mutig nach dem Dreieck.

„Oh, das wollt ihr? Na denn, habt ihr Pech! Eine Dame hat es letzt für eine Schulaufführung geholt! Sie sagte sie wolle den „Großen Kampf“ nachstellen. Kann ich sonst irgendwie behilflich sein?“

Kay schüttelte den Kopf, murmelte ein leises Danke und verzog sich mit Mikaasch in den Schatten eines Baumes. „Was machen wir denn jetzt! Sie hat das Dreieck schon.“

Mikaasch schleckte sich, putzte die Pfötchen und meinte ganz gelassen: „Mit der Nachbildung kann sie genauso wenig anfangen wie wir.“

Kay war sich dem nicht so sicher. „Was ist wenn das Ding die Lösung zum Rätsel ist?!“

„Lass uns nach Hause gehen und mit deiner Oma darüber reden. Vielleicht hilft sie und vielleicht nicht. Aber hier rum zu sitzen hilft leider auch nicht.“

Mikaasch war schon aufgesprungen und tappte auf seinen frisch geputzten Pfötchen den Weg hinunter. Kay folgte ihm seufzend.

Sie gingen den Berg hinunter und erreichten bald die Neue Straße die direkt in den Großen Turm führte. Die Straße in der Kay wohnte.

Die beiden waren schnell wieder zu Hause. Als Kay Sturm klingelte ging oben ein Fenster auf und ohne hinaus zu schauen rief ihre Oma: „Wir kaufen nichts!“

Gleich darauf knallte sie das Fenster wieder zu. „Aber Omi, wir sind’s doch!“

Noch einmal klappte das Fenster. „Das kann jeder sagen!“

Kay schrie so laut sie konnte und dann erschien endlich Großmutters Kopf. „Ach, wirklich? Warte kurz.“

Sie streckte ihre Arme aus und in dem Moment drehte es Kay den Magen um. Es war ihr als würde sie mit unendlicher Geschwindigkeit durch die Luft gewirbelt, unsichtbare Hände zerrten an ihren Armen und Beinen, formten ihre Wangen und Ohren, kneteten ihren Bauch. Dann hörte es abrupt auf, genauso plötzlich wie es angefangen hatte.

Kay lag auf dem Boden, alle Viere von sich gestreckt und ihr Atem kam schwer und laut.

Mikaasch schlich an ihren Kopf, schleckte mit seiner rauen Zunge ihr Gesicht und maunzte: „Sie lebt noch! Was ihr wieder anstellt!“

Avax, Großmutters Gefährte, segelte das Fenster hinunter und landete etwas plump auf dem Boden. „Man kann nie vorsichtig genug sein!“, krächzte er.

Die Haustür sprang auf und Kays Oma stürzte hinaus. „Hat sie sich was getan. Entschuldigung, aber ich wollte nur testen ob du es auch wirklich bist.“

Kay schlug ein Auge auf. Sie öffnete das Zweite und stand auf. Sie rieb sich ihren schmerzenden Hintern.

Alle lachten als sie so dort stand und halb verärgert halb verwundert in die Runde blickte. „Das war nicht witzig! Was soll das Ganze?“

Ihre Oma verkniff sich das Lachen und antwortete, mit nun vollkommen ernster Stimme: „Das geht hier alles nicht mit rechten Dingen zu. Und bevor sie mich auch noch für ihre Pläne missbrauchen, knete ich lieber meine Enkeltochter durch.“

Sie nahm Kay fest in den Arm. „Ich hab dich ganz doll lieb. Vergiss mich bitte nicht, okay? Du schaffst das schon, du bist nämlich eine super begabte Hexe! Und dann hast du auch noch Mikaasch und Avax! Versprichst du mir das du gut auf dich aufpasst?“

„Ja mach ich. Aber das alles hier klingt wie eine Verabschiedung, musst du denn jetzt gehen?“

„Jetzt nicht“, antwortete ihre Großmutter traurig, „aber wenn es soweit ist bleibt vielleicht keine Zeit mehr für lange Reden.“

Kay kamen Tränen. Etwas Nasses rollte über ihre Wange und streichelte sie sanft. Die Träne stoppte auf ihrer Lippe und Kay schleckte sie mit der Zunge auf. „Oma, sag so was nicht!“

Die beiden standen noch eine Weile reglos da, sie hielten sich ganz fest umschlungen, und ihre Gefährten schwiegen ebenso mitfühlend, denn auch ihnen kamen Tränen in die Augen und das Bild von der Großmutter und ihrer Enkelin verschwamm langsam.



Die vier saßen in der Küche und berieten sich. Da saßen sie, vier dunkle Gestalten im Vorraum des Ladens, in den eh keiner einkaufen ging, und ihre Gesichter wurden vom Schein fünfer Kerzen erleuchtet.

Es war eine Art „Kriegsrat“, wobei alle gebannt schwiegen.

Die Augen der Großmutter waren fest geschlossen, sie bewegte ihre Lippen, doch kein Geräusch drang hervor.

Die anderen sechs Augen waren starr auf sie gerichtet und keiner wagte zu atmen.

Sie hatten auf dem Ladentisch fünf Kerzen an die Zacken eines Pentagramms gesetzt das Kay zuvor mit Kreide auf den Tisch gemalt hatte.

Eigentlich hatte sie nicht gewusst wie man dieses magische Zeichen ohne abzusetzen, in einem Schwung, malte. Doch ihre Hand mitsamt Kreide, war von einer unsichtbaren und doch mächtigen Kraft geleitet worden!

Ihre Großmutter hatte dann begonnen zu meditieren und sie saßen jetzt schon seit mindestens 10 Minuten wie versteinert da.

Endlich öffnete ihre Großmutter die Augen. „Sie weiß keinen Rat. Ich habe sie lange befragt. Doch sie ist alt, und ihrer wahren Kräfte nicht mehr mächtig. Es muss einen Ausweg geben! Es gibt immer einen! Merk dir das für später, verstanden Kay?“

Kay nickte schweigend. Wer war „Sie“, die ihre Großmutter soeben befragt hatte.

„Was mache ich denn jetzt? Ich muss gleich los, und...“

Ihre Großmutter unterbrach sie: „Geh’ in die Schule und sei unbesorgt. Gib’ einfach dein Bestes, dann wird schon alles gut ausgehen!“

Kay und Mikaasch standen auf. Sie musste sich dringend noch verkleiden.

Eigentlich Blödsinn! Sei wollte als Hexe auf die Party gehen, doch das war sie sowieso, dazu brauchte sie keine Verkleidung.

„Ich schminke mich trotzdem!“ Sie verschwand für kurze, zutreffender wäre lange, Zeit im Bad.

Als sie die Tür öffnete flüchtete Mikaasch mit gesträubtem Fell.

„Hi hi hi hi”, kicherte sie und machte einen Buckel sodass sie wie ein echtes altes hutzeliges Hexenweib aussah.

Sie hatte sich einige Warzen, aus der Drogerie, auf die Stirn geklebt, sich Falten geschminkt und einen alten Rock mit einer Bluse angezogen.

„Wenn das bei den Kindern genauso gut wirkt wie bei dir, Mikaasch, bin ich der Star des Abends!“

Da klingelte es an der Haustür. „Deine Freunde sind da!“, rief ihre Oma aus dem Laden hoch.

Kay rannte zu ihrer Großmutter, gab ihr einen dicken Kuss, ließ schnell die Anstandspredigen über sich ergehen und rannte zur Tür.



Draußen erwarteten sie ein Teufel mit Schwanz und blinkenden Hörnern, ein waschechter Dracula und noch eine Hexe.

„Happy Halloween!“, schrieen ihre drei Freunde als sie die Tür öffnete.

„Komm, wir müssen uns beeilen. Die Party fängt gleich an“, sagte Dee.

Sein Kostüm sah wahrhaft teuer aus, aber auch sehr überzeugend. Aus seinem Mund ragten Vampirzähne und Blut, natürlich Theaterblut, rann ihm übers Kinn.

Doch die Kunststoffzähne erleichterten ihm das Reden nicht gerade. Deswegen lispelte er ein wenig als er weitersprach: „Du siehst klasse aus, Kay! Ehrlich, voll cool!“

Gini lief hinter ihrer Hexenmaske rot an. Sie war froh, dass es niemand sehen konnte, doch natürlich ahnten ihr Bruder und auch Kay was in ihr vorging.

Kay wollte sich nicht den Abend mit ihr Freundin vermiesen, so nuschelte sie schnell ein leises „Danke“ und „Du siehst auch nicht übel aus“, rief ihrer Oma ein letztes Wort zu und trottet mit Mikaasch und den anderen den Großen Turm hinaus zur Hauptstraße.

Bald waren sie an der Schule angekommen. Aus manchen Fenstern winkten Schüler die ebenfalls ihn schaurigen Kostümen steckten.

Auf der Treppe erlebten sie eine der unheimlichsten Begegnungen des Abends.

Ein Werwolf, natürlich auch nur ein Kostüm, stürzte rückwärts die Treppe nach unten und rannte dabei Tim über den Haufen.

„Entschuldigung, Entschuldigung! Ich bitte tausendmal um Verzeihung.“

Er zog Tim auf die Füße, hob seine Hörner auf und setzte sie ihm mit zittrigen Fingern auf den Kopf.

„Es tut mir inständig Leid! Ich hoffe ich habe sie nicht verletzt!“

Tim wich der Hand des Mannes angewidert aus und wies ihn zurück: „In Ordnung, und würden sie nun so freundlich sein uns Platzt zu machen?“

Ohne auch nur auf eine Antwort zu warten schob Tim sich an dem Werwolf vorbei.

„Aber sicher, gnädiger Herr, aber sicher!“

Dee und Gini folgten Tim kopfschüttelnd, Kay warf noch einen letzten Blick auf den Mann, denn sie war sich sicher, dass es niemand von den Schülern gewesen war, der es nun wieder eilig hatte und mit großen Sprüngen die Treppe hinunter hetzte.

„Seltsamer Typ! Mir stehen jetzt noch die Haare zu Berge!“ Mikaasch schleckte sein Fell glatt, denn er hatte die ganze Zeit einen Buckel gemacht, bereit zum Sprung, falls er sie angreifen würde.

„Weg, einfach weg“, flüsterte Kay, und ihr Atem blieb wie eine Rauchfahne in der kalten Nachtluft stehen. Mikaasch sah sie aus großen Katzenaugen an.

„Der Mann, er war gerade noch da. Und nun ist er weg.“

Natürlich, dachte Mikaasch, der sein Frauchen für übergeschnappt hielt, er ist ja auch gerade die Treppe runter, oder denkt die der bleibt hier stehen.

„Ich habe ihn die ganze Zeit beobachtet und dann habe ich kurz geblinzelt und schwupp... war er weg.“

Nach kurzem Entsinnen gingen sie aber auch ins Haus.

Drinnen war mächtig viel los. Aus Lautsprechern die an allen Ecken angebracht waren drang laute Musik.

Überall wuselten Gespenster, Fabeltiere, Hexen, Teufel, Vampire und Mumien.

Kay drückte sich durch und hielt verzweifelt Ausschau nach ihren Freunden. Hie und da erhielt sie Komplimente für ihr originelles Kostüm.

Kay wurde zunehmend nervöser während sie immer noch nach den Dreien suchte. „Wo können die nur stecken! Ich will hier nicht so allein herumrennen!“

„Du hast ja mich“, sagte Mikaasch und schmiegte sich eng an Kays Beine. Sie bückte sich und hob den Kater auf ihre Arme, aus Angst sie könne ihn auch noch verlieren.

Ihre Suchaktion führte sie immer weiter von dem aufgeregten Gedränge der anderen weg. Bis sie sich schließlich auf einem vollkommen ausgestorbenen Korridor wieder fand.

Sie kam sich plötzlich so hilflos und allein vor. Fast kullerten ihr Tränen über die Wangen. Sie zwinkerte sie weg und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen.

Gerade hatte sie den Entschluss gefasst, dass sie sich einfach wieder ins Getümmel stürzen würde um so nicht ganz auf sich gestellt zu sein. Da packte jemand nach ihrer Schulter.

Kay durchzuckte es eiskalt. „Hab ich dich!“ Kay schrie, schrie so laut sie konnte.

Mikaasch sprang vor Schreck mit einem gewaltigen Satz von Kays Arm, und verkratzte ihn erneut. Kay schrie jetzt nur noch lauter und hoffte, dass es jemand hören würde.



Die Hand hatte längst von ihr abgelassen und der Jemand der hinter ihr stand hatte auch begonnen zu schreien.

Kay kannte die Stimme. Sie verstummte und wandte sich um. „Gini! Mein Gott, hast du mich aber erschreckt. Und ich dachte schon... du weißt schon... egal!“

Die zwei Mädchen standen da und sahen sich mit großen Augen an, dann fielen sie sich um den Hals.

Keine der beiden wusste so Recht warum sie das taten. Aber es gab ein gewisses Gefühl der Geborgenheit, der Sicherheit.

Dee und Tim kamen völlig außer Puste angestürzt. „Ist euch was passiert? Wir haben euch schreien hören!“, keuchte Tim.

Kay zog eine Augenbraue nach oben. Das tat sie immer wenn sie über etwas nachdachte das für sie unerklärlich ist. „Aber warum hört ihr uns, wenn kein anderer uns gehört hat?“

Auch Tim, seine Schwester und Dee waren ratlos, von Mikaasch ganz zu Schweigen.

„Telepathie!“, meinte Dee.

„Wir waren eben näher dran und nicht so laut wie die Übrigen“, erklärte Tim.

Kay nickte zweifelnd, doch sie gab sich für heute damit zufrieden.

Während sie die Treppe hinauf in den Innenhof stiegen sprach Gini zum ersten Mal aus was alle dachten: „Wie wollen wir das „Ritual“ überhaupt verhindern? Wir können ja nicht reinspazieren und sagen, dass hier alles abgeblasen werden muss, weil sonst irgend so ein Magier wiederersteht. Ich hoffe ihr habt Verständnis.“

Kay warf ihr einen bösen Seitenblick zu. Sie fühlte sich echt angegriffen. Vor allem weil Tim ihr schon einmal den gleichen Vorwurf gemacht hatte.

„Da sieht’s man wieder, du hast keine Ahnung von Magie!“

„Hast du eine?“, fragte Mikaasch sie leise.

„Nein“, sagte Kay eingeschnappt, „aber sie hat weniger als ich! Und du, hast du eine Idee?“

Mikaasch sah sie mit seinen gelben leuchtenden Augen an: „Nein, aber wenn uns nicht schnell was einfällt dann haben wir ein Problem, oder wie machen es wie Gini es vorgeschlagen hat.“

Kay versank in tiefes Nachdenken. Ihre Freunde, Mikaasch ausgenommen, aßen, schwatzten, lachten und hatten tierischen Spaß.

Für den Kater absolut unerklärlich da sie doch wissen mussten in welcher Gefahr sie schwebten.

„Ich hab’s“ schrie Kay auf, „an den wichtigen Stellen lassen wir etwas...“. Sie verstummte als sie merkte, dass dies der dümmste Plan seit langem war.

Sie legte die Stirn in Falten, steckte die Zunge zwischen die Zähne und trottete auf dem Schulhof hin und her.

Überall standen Kinder herum, von der 3. bis 13.Klasse. Die Erst- und Zweitklässler hatten noch nicht kommen dürfen.

Ein Kostüm war schauriger als das andere. Die Schule war gruselig dekoriert. Natürlich jagt es nur Weicheiern einen Schauer über den Rücken, aber es war schon hübsch anzusehen.

Die Fenster waren mit Gespenstern, Kürbissen und Grabsteinen beklebt worden. Fledermäuse hingen an der Bühne und an den Bäumen, sowie an der Würstchen Bude und ein künstlicher Friedhof zierte die sonst so ordentliche Spielwiese.

Aus den Gräbern erhoben sich Leuchtskelette und aus Lautsprechern die unter allem möglichen versteckt waren drang schaurige Musik.

An dem Fressstand konnte man sich Bowle kaufen in der Eiswürfel schwammen, die Gummiinsekten und andere eklige Dinger enthielten.

In der Götterspeise, die zur Auswahl stand, waren Augen eingebaut, keine echten, sondern solche die man hinterher essen kann.

Und die Würstchen hatten eine Mandel ans eine Ende und Ketchup ans andere Ende bekommen, sie gingen als „abgehackte Finger“ durch.

Alles in allem war das Fest ganz gut gelungen.

Als Kay wieder bei der Bühne ankam die, die Achtklässer errichtet hatten, tanzten gerade einige Mädchen einen Geistertanz auf mitternächtliche Klänge.

Kay musste staunen wie echt das aussah, obwohl sie noch nie echt Geister hat tanzen sehen.

„Lass uns ein wenig spazieren gehen“, flüsterte sie Mikaasch zu, „dann kann ich mich besser mit dir unterhalten. Die glauben alle schon ich sei verrückt und halte Selbstgespräche, was mir nicht sehr zu Gunsten kommt. Und hier kann ich mich auch nicht richtig auf das Problem konzentrieren.“

Also verschwanden die zwei für eine Weile hinter dem Schulgebäude.



Währendessen feierten Dee, Tim und Gini ausgiebig Halloween.

„Hey, habt ihr Lust heut’ Abend ein bisschen durch die Stadt zu ziehen um Süßigkeiten einzusacken?“

„Du kommst bestimmt mit, oder Tim? Bist ja kein Baby mehr wie die Deppen!“, er deutete auf Tims Freunde die sich etwas abseits über Ballerspiele und noch sonstigen „Babykram“ unterhielten.

Johann, Dees bester Freund rammte Tim den Ellebogen in die Seite: „Das was die machen ist doch kindisch, nur Babysachen!“

Tim sah mit schwerem Herzen zu seinen Freunden. Er genoss die Aufmerksamkeit die er durch Dee erhielt und wollte nicht wieder als Außenseiter da stehen.

Nun hatte er die Wahl: Wahre Freunde die mit einem durch dick und dünn gehen oder eine Clique, bei der man absolut cool ist und die Mädels einem nicht immer nur schnippische Antworten geben.

Bei der man Sachen macht die sonst tabu währen für die normalen Streber, bei der man einfach mitten drin ist, mitten im „Hollywood der Walddrähter Schule“.

Tim entschied sich. „Ja, alles nur Babykram!“

„Dabei sein“ geht vor Freundschaft, dachte er im Stillen, gab sich dabei aber nicht mal selbst richtig Recht.

Seine „ehemaligen“ Freunde schüttelten den Kopf. Im Moment dachten sie sicher, dass sie sich anders entschieden hätten, aber wenn sie an seiner Stelle gewesen wären, wäre es vielleicht doch anders gekommen.

Bestimmt hatte jeder schon mal das Gefühl das man etwas Falsches tut, um einmal „cool“ zu sein.



Gini erging es ganz ähnlich. Mit dem winzigen Unterschied das sie durch die Freundschaft mit Dee keine Freunde verlor, sondern welche dazu gewann.

Sie konnte ja nicht wissen, dass auch diese Mädchen, die sich jetzt um sie scharten, keine echten Freundinnen waren.

Die wollten nur ein bisschen etwas mit Dee zu tun haben, dafür würden sie sogar mit einer Jüngeren Freundschaft schließen.

„Wie ist Dee so? Ist er wirklich so nett wie er aussieht?“

Gini schwieg, sie wollte nicht gleich alles verraten denn sie spürte, dass sie dann uninteressant wäre.

Die Großen aus der Achten machten es einzig richtig: „Na, wie läuft es so in der Schule? Gute, schlechte Noten? Wie geht’s deinem Bruder?“

Sie zogen Gini aus der quasselnden Mädchenmenge um sie für sich allein zu haben.

„Ach, alles ganz gut. Und bei euch?“

„Fabelhaft! Du bist ja ein echt nettes Mädchen! Schade das du immer mit dieser seltsamen Kay rumhängen musst.“

„Ach, sie hat ja sonst niemanden!“

Micki, das hübscheste Mädchen der achten Klasse, schaffte es tatsächlich Ginis Vertrauen zu gewinnen: „Und so nett! Ich würde mich nicht erbarmen zu so einer Zicke, vor allem wenn ich so wäre wie du!“

In dem Moment kam Kay um die Ecke. „Oh da kommt unsre Schulzicke! Wenn du so weiter machst bekommst du einen Pokal!“

„Wo hast du dich denn schon wieder herumgetrieben? Bei deinen Freunden, den Spinnen!“

Kay lief ohne die Mädchen auch nur eines Blickes zu würdigen vorbei.

Erst als sie Dinge wie „Schlampe“ und „Miststück!“ an den Kopf geworfen bekam, wandte sie sich um und fauchte schlagfertig zurück: „Wenn ihr mich schon bei euren Na...“

Sie verstummte als sie Gini unter den neckenden Mädchen entdeckte. „Kay, ich kann’s dir erklären...!“

Micki legte einen Arm um Gini, um Kay zu symbolisieren das sie nun zu ihnen gehörte. „Gut, mach doch was du willst!“

Kay wandte sich um. Ihr stiegen Tränen in die Augen. Als sie Richtung künstlichen Friedhof rannte, sah sie alles nur noch sehr verschwommen und sie rempelte öfters die kleineren Schüler an.

Die Wörter die ihr nachgerufen wurden beachtete sie gar nicht. Aber in ihren Ohren dröhnte es so sehr das sie es wahrscheinlich gar nicht hörte.

Sie versteckte sich hinter einem der Plastikgrabsteine. Immer wieder tönten ihr die letzten Worte im Ohr, das Bild von Gini die besitzergreifend von Micki umarmt wurde blieb ihr vor Augen haften.

Schluchzend sank sie in sich zusammen und schwor sich nie mehr aufzustehen.

Und wie sie so dalag fiel ihr das Lied ein das ihre Oma immer gesungen hatte wenn Kay sich mies gefühlt hat.



Sei nicht traurig, alles wird gut

Sei nicht traurig, irgendwer macht dir schon Mut.

Sein nicht traurig, sondern ganz still,

und lausche dem Wind, höre was er sagen will.



Er tröstet dich und redet dir gut zu und er sagt zu dir:

Mach weiter wie bisher!



Wie könnte man sich denn versöhnen, gäb’ es keinen Streit.

Wie könnte wieder Frieden sein, wär nirgends Krieg gewesen.

Wie könnte Ehrlichkeit entstehen, gäb’s keine Hinterlist,

Wie könnte man glücklich sein, wenn man niemals traurig ist?

Wie könnt’ `ne Blume neu erblühen, wär sie nie verwelkt.

Wie könnt ich dieses Lied hier singen, wärst du nie so traurig!



Sei nicht traurig, alles wird gut

Sein nicht traurig, irgendwer macht dir schon Mut.

Sei nicht traurig, sondern ganz still

Und lausche dem Wind, höre was er sagen will.



Er tröstet dich und redet dir gut zu und sagt dir:

Mach weiter wie bisher!



Und als Kay die Zeilen vor sich hin gesungen hatte, fühlte sie sich gleich besser. Plötzlich hörte sie jemanden schniefen. Erschrocken fuhr sie herum. Hinter dem Grabstein neben ihr hatte die ganze Zeit Benno gesessen, Tims bester Freund.

„Wo ist denn Tim? Heute mal nicht zusammen wie siamesische Zwillinge?“

„Die Zwillinge wurden auseinander operiert, und ihm wurde die Freude und das Ansehen gelassen und mir die Trauer und das Leben in Verbannung.“

„Klingt sehr poetisch. Aber den Hintergrund verstehe ich nicht ganz.“

Benno erzählte ihr die Geschichte über Tim und Dee.

„Ach weißt du, man muss es verkraften, du hast doch noch Freunde! Ich weiß, Tim war dein bester, aber du hast ja genügend zur Auswahl! Du hast es viel besser als ich!“

„Warum, du hast doch Gini! Das reicht ja wohl, warum warst du eigentlich so traurig und hast dieses Lied gesungen? Übrigens du kannst schön singen!“

„Ich habe eben keine Gini mehr, aber ich finde schon wieder neue Freunde! Und noch was, du sagst keinem das ich ein so sentimentales Lied gesungen habe, sonst gibt es Ärger!“

„Weißt du was ich glaube, du wärst viel beliebter wenn du nicht immer so unsensibel tun würdest. Du bist nämlich gar nicht so cool und arrogant!“

„Und weißt du was ich meine? Du würdest auch viel besser ankommen wenn du deine dummen Gedanken für dich behalten würdest!“

Wütend stand sie auf und ihr Kummer war schnell durch die Wut verdrängt. „Was erlaubt der sich denn mich zu verbessern. Pah, das ich nicht lache!!“

„Aber vielleicht hat er Recht! Und du solltest wirklich nicht so auftreten, mit deiner Maskerade aus Coolness.“

Kay konnte sich denken das Mikaasch diesen Kommentar gegeben hatte. Und ihre Vermutung bestätigte sich als etwas Weiches um ihre Füße streifte.

Sie griff nach unten und schnappte sich den Kater. „Mag sein das ihr Recht habt!“

Im gleichen Moment sahen Gini und ihr Bruder ein das sie einen mächtigen Fehler gemacht hatten und machten sich auf um ihre Freunde zu suchen.



Kay und Mikaasch konzentrierten sich wieder auf, den noch nicht zu Stande gekommenen, Plan.

Sie grübelten und grübelten. Doch jede Idee die sich langsam von ihren wirren Gedanken ablöste, war aus irgendeinem Grund nicht brauchbar.

Plötzlich, als die Zwei vollkommen in ihren Überlegungen versunken waren, trat Gini um die Ecke.

Sie sah Kay und ohne etwas weiteres begann sie zu erklären: „Ich wollte das nicht und ich habe eingesehen das es ein Fehler war! Ich habe mich einfach verleiten lassen und nun hoffe ich du kannst mir verzeihen. Wollen wir wieder Freunde sein, Kay?“

Erst als ihr Name genannt wurde blickte sie erschrocken auf. Doch anstatt Gini nun zur Rede zu stellen wie sie es sich vorgenommen hatte, fiel sie ihr um denn Hals und ihre Freundin deutete dies als ein „Ja“.

Kay wartete ungeduldig auf eine Entschuldigung, aber die kam nicht. Sie konnte ja nicht wissen, dass sie während ihrer kurzen Abwesenheit vollgeschwafelt wurde.

Kay spürte wie die Wut wieder in ihr aufschäumte, doch sie schluckte alle Beschimpfungen hinunter und tat als wäre nichts.

Sie wollte die soeben zurückgewonnene Freundschaft nicht gleich wieder zerstören.

Außerdem versuchte sie einen guten Anfang für ihr neues Auftreten zu schaffen, und das Zickig-Sein, musste sie sich abgewöhnen.

„Komm lass uns zur Bühne gehen um wenigstens etwas zu tun, wirksam oder nicht.“

Gini nickte und die drei machten sich schweigend auf den Weg.

Was wäre wenn sie es nicht schafften das Ritual zu verhindern? Wenn „Das Auge“ nun wieder ersteht? Denk nicht an so was; redete sich Kay gut zu, nicht jetzt!

Auch Gini musste allen Mut zusammenreißen um nicht in Tränen auszubrechen, aus Angst was passieren könnte. Nun war es kein Spiel mehr, jetzt war es todernst.

Doch als sie auf dem Innenhof ankamen... der Schock. Das Schauspiel hatte schon begonnen und es näherte sich seinem Ende zu!

Gerade tanzten die Neuner den Schlusstanz um das Dreieck, und Kay war sich diesmal absolut sicher, dass es das echte Dreieck sein musste.

Die Lehrerin hatte es tatsächlich gefunden, aber wo? Kay musste etwas unternehmen. Doch wie gebannt sah sie zu und konnte sich kaum rühren, geschweige denn etwas gegen dieses herrliche Stück unternehmen.

Als sie ihre Augen ruckartig und fast schmerzhaft abwandte, sah sie das Dee und Nick in einiger Entfernung mit offenen Mündern den Mädchen zusahen.

Sie traute sich kaum ihren Blick wieder zur Bühne zu richten, also stierte sie suchend in der Menge. Kein einziger Schüler war nicht gerade dabei den Klängen zu lauschen. Kay wandte sich hilfesuchend zu Gini um. Doch auch ihre Augen waren glasig und zur Bühne gerichtet.

Den Mädchen dort oben schien nicht zu entgehen das ihr Tanz gut ankam, sie fingen an sich noch leidenschaftlicher zu bewegen und sich umso anziehender zu rekeln.

Kay sah nach unten zu ihren Füßen. Mikaasch sah sie mit seinen grünen Augen an. „Um eins müssen wir uns nun keine Sorgen mehr zu machen, ein Plan ist nun mehr ja kaum vonnöten.“

„Warum hat der Zauber auf dich keinen Einfluss?“

„Nun, ich bin kein Normalsterblicher wie die das sind“, er sagte es fast abfällig und warf dabei den Schülern zweifelnde Blicke zu, „und du bist auch nicht so wie die anderen, also hat es auf dich auch weniger Einfluss. Aber ganz weg ist es auch nicht.

Das liegt daran, dass dein Vater Sterblicher, ein Nima, war.

Nur deine Mutter war eine wahre und gefürchtete Hexe.

Und komm mir jetzt nicht mit: Aber Oma hat gesagt....

Wir wollten dir es eigentlich schonend beibringen, aber nun ja, dein Vater der dich aufgezogen hat ist ein Nima, dein wahrer Vater, der aber kurz nach deiner Geburt getötet wurde, ist ein Magier.

Kein wirklich gefährlicher, da er Gut und Böse für relativ hielt und nie Dämonen gejagt hat, aber er war ein Magier der viel konnte und wusste.

Ich wünschte du wärst von ihm erzogen worden und nicht von deinem Nima-Papa.“

„Das klingt fast als wäre er nicht brauchbar, und was meinst du eigentlich mit Nima? Und wieso hat mir das keiner gesagt?“

Mikaasch sah das ihre Augen feucht wurden und lächelte schwach: „Ein anderes Mal, o.k.? Das war schon zu viel des Guten!“

Gerade als Kay sich wieder gefasst hatte, tobte auf der Bühne das Finale. Kay musste zugeben, es sah göttlich aus.

Mit gewaltigen Trommelschlägen endete der Tanz und alle die beim Schauspiel mitgewirkt hatten schrieen: „Malis Munukoseva!“

„Jetzt ist es aus, das Ritual ist vollendet! Wir sind nur noch wenige Stunden von der Auferstehung entfernt, was sage ich Stunden, Minuten!“, erklärte Mikaasch erschüttert.

„Aus, vorbei!“, wisperte Kay.

Frau Merlein trat auf die Bühne und sprach mit ihrer gekünstelt liebevollen Stimme: „Danke, ihr habt mir sehr geholfen, ich hoffe es hat nicht nur mir Freude bereitet! Nun möchte ich zum Abschied aber noch eine klitzekleine Kleinigkeit von euch. Eure Aufmerksamkeit ist wahrlich erstaunlich wenn ihr euch nun alle an den Händen fassen würdet.“

Die Menge tuschelte und jeder ergriff die Hand seines Nachbarn.

„So, sehr gut, ihr hier auf der Bühne auch. Ja, wenn du mir nun deine Hand geben würdest! Genau so, sind alle in der Reihe?“

Kay packte die Angst. Was hat die vor? Langsam schlich sie aus der Kette und zog Gini mit sich mit.

„Hol du Tim und Dee, klar! Beeil dich!“

Gini, die nun endlich wieder klar denken konnte, stürzte zu ihrem Bruder und riss ihn aus der Kette.

Sie warf einen ängstlichen Blick auf die Bühne, ob man sie entdeckt hatte.

Doch Frau Merlein stand vollkommen ruhig da und hatte die Augen geschlossen. Soeben war auch Dee befreit worden, da sang die Frau plötzlich ein Lied.

Es klang wie ein Kirchenlied, sehr traurig und irgendwie feierlich.

„Dala malis munukoseva, dinodon deva , illkanta dell, dala malis munukoseva, dinodon deva, illkanta dell.“

Die drei wurden plötzlich von hinten gepackt und fortgeschleift. „Hört nicht solange zu, sonst geratet ihr wieder in ihren Bann!“

Die fünf Widersacher rannten zum Schulhaus hinaus und blieben keuchen auf der Straße stehen.



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